Ehrlich, traurig und herzerwärmend

Riehener Zeitung, 30. Oktober 2026

BÜCHERZETTEL   Ob gute alte oder schlimme Zeiten: Diese Bücher zeigen, wie wichtig es ist, nicht zu vergessen – und wie Verbundenheit Zeiten überdauert

Tiefe Verbindungen und die Wichtigkeit des Erinnerns

Ehrlich, traurig und herzerwärmend

Das Motiv auf dem Cover ist abstrakt und doch klar zu erkennen. Zwei Menschen, der eine mit blauer, der andere mit roter Farbe skizziert, schweben spiegelverkehrt auf dem insgesamt sehr schlichten, weissen Titelblatt. Und sie verschwimmen ineinander. Das ist das Entscheidende.
Das Buch «Zwei verschränkte Seelen – über den Tod hinaus» des Riehener Autors Peter Zihlmann handelt von zwei Menschen – von ihm und seiner Frau –, deren Verbundenheit über den Tod hinaus besteht. Der Tod von Peter Zihlmanns geliebter Ehefrau Béatrice steht im Mittelpunkt des Buchs oder ist zumindest der Auslöser dafür und für viele Gedanken, die Zihlmann mit seinen Leserinnen und Lesern teilt. Mit viel Feingefühl und rührenden Worten berichtet er von der Zeit, die seine demente Frau im Dominikushaus verbracht hatte, und von ihren letzten Momenten im Sterbebett. Dabei lässt Zihlmann seine Leserschaft so nahe an sich und seine Emotionen heran, dass man auf jeder Seite mit ihm mitfühlt, mit ihm mitleidet.
Ehrlich – so, als würde er sein Herz ausschütten wollen – versucht Peter Zihlmann das Gefühl, das ihn nach dem Tod seiner Frau überkommt, in Worte zu fassen: «Ich war traurig und weinte und geriet in eine seltsame Stimmung der Abschiedlichkeit und wurde depressiv.» Sehnsüchtig stellt er seiner Frau Fragen, auf die er keine Antwort findet: «Wo bist Du? Welches Land bewohnst Du? Und wie sieht es dort aus? Ist es ein gutes, Dir gnädig gestimmtes Land oder musst Du auch dort leiden?» Und er beschreibt eine Situation, in der sich bestimmt viele wiederfinden. Nebst der eigentlichen Trauer ist nämlich auch ein Gefühl der Ohnmacht da: Was tun, wenn man zum ersten Mal im Leben wirklich allein ist?
Zihlmann findet Trost im Gedanken, dass er mit seiner Frau verbunden bleiben kann – auf einer anderen Ebene als hier auf der Erde. Seelisch eben. Er schreibt ihr Briefe, in denen er sich an ihre Kennenlernzeit zurückerinnert und schöne Momente aus jungen Jahren in bildhafter Sprache aufleben lässt. Zwar weiss er, dass er keine Antwort bekommen wird. Doch der Gedanke, dass damit eine Art von Verbundenheit weiterbesteht, ist für ihn befreiend.
Mut machen schliesslich die Zeilen über die Zeit danach, in der der Autor vorsichtig wieder Freude findet an den einfachen Alltagsmomenten, zum Beispiel während seiner Spaziergänge durch die Langen Erlen, die er einst auch mit seiner Frau Béatrice machte. Seinen abschliessenden Tipp, mehr im Augenblick zu leben, nimmt man sich nach der Lektüre dieser bewegenden Geschichte umso mehr zu Herzen.

Nathalie Reichel

Peter Zihlmann: Zwei verschränkte Seelen – über den Tod hinaus
103 Seiten. Arte Legis Editions, Basel, 2026. ISBN 978-3-906293-13-4