Riehener Zeitung, 04. Juli 2025
NACHRUF Zum Gedenken an Béatrice Zihlmann
Mit Béatrice Bühler (5.12.1938– 14.6.2025) bin ich während 61 Jahren verheiratet gewesen. Wir harmonierten. Keine Schicksalsschläge. Gutes Leben bis vor etwa drei Jahren. Demenz hatte sie schleichend und heimtückisch angefallen und sie wie in einem immer heftiger werdenden Sturmwind aus ihrem gewohnten Leben in Riehen fortgetrieben und ihr nach und nach alles genommen. Zuerst durfte ich sie eine gute Zeit lang zu Hause pflegen, dann mit Unterstützung durch die Spitex Riehen. Ich staunte über diese guten pflegenden Geister. Als sie an Covid erkrankte, kam sie in Spitalpflege. Anschliessend fand sie in einem Pflegeheim in Riehen, betreut von sich aufopfernden Pflegenden, einen selten schönen Zufluchtsort. Wir konnten unsere Liebe in diesem Asyl der Barmherzigkeit füreinander fortführen, teilten weiterhin unter gewandelten Bedingungen am Tag oft bis in die Nacht hinein Tisch und Bett.
Nicht ganz von dieser Welt
Mit dem Rad durfte ich jeden Tag zu jeder Stunde kommen und gehen und sie während des Essens betreuen und mit ihr zusammen sein, auch im Park. Dort bekam sie kürzlich von einem Mädchen ein Kränzchen aus Margeriten aufgesetzt. Sie strahlte Menschen, die sich ihr annäherten oder zuneigten, mit einem Lächeln an, das nicht mehr ganz von dieser Welt zu sein schien. Wir beide hatten keine unbeschwerte, aber eine umso glücklichere Zeit miteinander. Sie flüsterte oft in mein Ohr, wenn wir zusammen Siesta machten: «Peterli, du bist ein ganz lieber, lieber Mann.» Das freute mich, nicht weil es stimmte. Es stimmte gewiss nicht in dem Ausmass, wie sie es erlebte. Aber ich war froh, dass sie sich wohlfühlte und noch gern im Leben war. Und dass ich an ihrer Seite sein und ihr offenes Herz und die sich von dort aus verbreitenden Strahlen sehen durfte, die sich in ihrem Lächeln und ihren Gesten der Zartheit und Zärtlichkeit spiegelten, erfüllt mich mit Dankbarkeit.
Im Riehen der 1960er-Jahre war sie eine geschätzte Kindergärtnerin. Ihr Vater, Hans Bühler, war der stadtbekannte Chronist mit dem Zeichenstift, der die sich wandelnde Baukultur in Basel dokumentierte und im Birkhäuser-Verlag publizierte. Die Eltern der Schüler setzten sich immer wieder dafür ein, dass ihr Kind bei «Fräulein Bühler» in die Klasse aufgenommen wurde. Da kamen bis zu 36 Kinder zu ihr und sie zog mit ihnen vom Wasserstelzen aus durch das Quartier. Nicht nur ein Knabe verliebte sich in sie als Lehrerin, in das adrette, südländisch wirkende weibliche Wesen mit den schwarzen Augen wie Kirschen, einer Haarpracht, die in Zapfenlocken endete und oben durch eine rote Schleife zusammengehalten wurde. Auch ich als Student verliebte mich immer mehr in sie, je näher ich ihr kommen durfte. Der Kleine kam später zu ihr und sagte, Tränen in den Augen: «Fräulein, wenn ich so alt bin, dass ich heiraten kann, sind Sie für mich zu alt.» Für mich war sie gerade richtig. Als sie nach vier Jahren Ehe fast verzweifelt auf eigene Kinder hoffend, Alexander und dann Rebecca gebären durfte, war sie überglücklich und gab ihren Beruf auf. Ihre Leidenschaft war das Zeichnen. Wie oft sass sie, einen Farbstift und ein Vergrösserungsglas haltend, neben sich Farbstifte und Radiergummi, vor einem Väschen mit einer Blume oder Gras! Immer mehr interessierte sie sich auch für versehrte, welkende Pflanzen.
In sich ruhend
Daneben besuchte sie Kurse im Aktzeichnen an der Gewerbeschule in Basel und zeichnete grosse Aktbilder, während ihre ganz eigenen Bilder zwischen Biologiezeichenkunst und Fantasie oszillierten. Sie suchte nie die Öffentlichkeit, lehnte es gegenüber ihren Freundinnen ab, Ausstellungen zu arrangieren. Eine echte, in sich ruhende Künstlerin. Als kleine Hommage an sie publizierte ich 2024 das Büchlein «Wo bist du?» mit einem Dutzend ihrer wunderbaren Zeichnungen.
Peter Zihlmann

Foto: Lucia Hunziker